Geschichte

Entwicklung der BB17

Im Jahre 1956 wurde erstmalig der Bootstyp “BB11” auf der Borge Bringsvaerd Werft in Drobak Norwegen zu Wasser gelassen, woraus sich später die Bootsklasse “BB17” entwickelte. Die BB11 wurde bis 1963 rund 800 mal in viele Länder ausgeliefert und findet als Klassiker wieder seit einiger Zeit große Beliebtheit in den skandinavischen Ländern, aber auch im deutschsprachigen Raum.

Die BB11, ein offenes Kielboot, war damals der ideale Bootstyp für Segler, die von der Jolle kamen und ihre Regattasegelei mit einem komfortablen Kielboot fortsetzen wollten. Viele dieser Regattasegler wünschten sich jedoch ein Boot mit den selben Segeleigenschaften wie die der BB11, jedoch mit Kajüte. Da die BB11, mit ihren 6.18 Meter Länge, nach Meinung von Borge Bringsvaerd für diesen Zweck zu klein war, entschloss sich dieser, eine neue Bootsklasse zu zeichnen. Die BB17 war geboren.

Konstruktion der BB17

Die BB17  verbindet die Eigenschaften der BB11 (Regattaboot für den begeisterten Rennsegler) mit den Vorteilen eines Tourenschiff für die ganze Familie.

Die BB17 ist ein schnelles und durch seine seetüchtige Rumpfform zudem sehr sicheres Kielboot mit 7.30 m Länge. Durch das hohe Kielgewicht von 550 kg bei einem Gesamtgewicht von 950 kg ist das Schiff sehr steif und kann bei jedem Wetter mit der Normalbesegelung, d. h. kleine Fock und Grossegel gesegelt werden.

Die Yacht ist aus 11/16‘‘ Mahagoni verleimt geplankt und auf eingebogenen Eichenspannten gebaut. Kiel und Steven sind aus Eiche. Knie, Decksbalken und Stringer sind aus Spruce oder Kalmar – Föhre. Das Deck besteht aus 5/15‘‘ hochwertigem Mahagoni Bootsbausperrholz. Sitzbänke, Süll und Scheuerleiste sind aus ausgesuchtem Mahagoni. Der Kielbalast ist aus gegossenem Eisen. Alle Beschläge sind aus Nirosta oder Bronze. Die Einrichtungen und Ausbauten aus Mahagoni. Die Spieren und der Mast bestehen aus Oregon – Pine. Qualität soweit das Auge reicht. Diese Tatsache machte es wohl auch aus, dass Borge Bringsvaerd ein Boot aus erstklassigem Material in sehr guter Verarbeitung garantierte.

Der Konstrukteur und die Werft

Wie bereits erwähnt, wurde die BB17 von Borge Bringsvaerd konstruiert. Bringsvaerd war der bekannteste norwegische Einheitsklassen – Konstrukteur. Die BB17 wurde ausschliesslich von dieser Werft gebaut. Diese Bootswerft hatte es verstanden, den damals besten traditionellen Bootsbau in Norwegen mit der modernen Serienproduktion zu vereinen und lieferte somit ein Qualitätsprodukt von überdurchschnittlichem Wert zu einem sehr günstigen Preis. (Eine BB17 kostete im Jahre 1964 DM 9950.-)

Bestellschein aus dem Jahre 1964 der Generalvertretung Nautic Börcherts

Die BB17 Klasse

Die Klasse wurde nach dem nationalen Status des Königlichen Norwegischen Yachtclubs gegründet. Die Internationale BB17 Organisation kontrollierte sehr streng die Vermessungen ihrer Einheitsklasse. Die Tatsache, dass sämtliche Boote von ein und der selben Werft gebaut wurden versicherte genauste Gleichwertigkeit der Boote.

Die Beurteilung der ersten BB17 Eigner ihrer Yachten aus dem Jahre 1962

Eigner der BB17 No. 1 KR SCHØYEN

Meine BB17, No.1 wurde mir im Frühjahr 1962 von der Borge Bringsvaerd Werft geliefert. Ich habe dieses Boot während des ganzen Sommers gesegelt und habe Fahrten innerhalb und ausserhalb der Fjorde unter den verschiedensten Windverhältnissen unternommen. Bei starkem Wind und hoher See segelt sie sicher und trocken und sehr gemütlich mit einem ein wenig gerefftem Segel.

Das Boot ist stark gebaut und absolut dicht, die Ausrüstung ist sehr praktisch und es ist unglaublich viel Platz an Bord. Die Kojen in der Kajüte sind sehr gross und bequem. Ich spreche so gut über dieses Schiff, da ich mit allem sehr zufrieden bin. Wie die BB11, so ist sicher auch die BB17 sehr zum Ragattasegeln geeignet.

Meine Erfahrungen sind, dass die BB17 sehr schnell und bei den verschieden Windverhältnissen leicht zu handhaben ist.

Eigner der BB17 No. 2 B. F. GRØNDAL

Ich habe den Markt nach den verschiedensten Bootstypen überprüft und habe mich dann entschlossen, Borge Bringsvaerds neue Konstruktion, die BB17, in Auftrag zu geben. Ich war voller Erwartung für die kommende Segelsaison. Heute weiss ich, dass ich die richtige Wahl getroffen habe und bin jetzt der glückliche Eigner der BB17 No. 2.

Während der Segelsaison 1962 hatte ich öfters Gelegenheit, das Boot unter den verschiedensten Wetterbedingungen zu segeln. Ich segelte sowohl bei ruhigem Wetter auf dem Oslofjord und bei stürmischem Wetter ausserhalb der Schären an der norwegischen Südküste. Das Boot hat seinen Test in allen Situationen bei toten Flaute und bei Sturm makellos bestanden.

Sie segelt trocken bei kurzer ruppiger See und geht gut überweg. Sie ist sehr steif und es macht grosse Freude sie zu segeln. Dank dem verhältnismässig geringen Tiefgang bei besten Kreuzeigenschaften bewährt sich das Boot sehr gut in den flachen Gewässern der Schären.

Das Boot liegt sehr feinfühlig auf dem Ruder und ist sehr gut als Regattaboot geeignet. Die verhältnismässig grosse Breite macht das Boot sehr geräumig und es ist sehr viel Stauraum vorhanden. Die BB17 hat Schlafmöglichkeiten für 3 bis 4 Personen und die Kajüte mit ihren Fenstern ist hell und einladend. Diese Möglichkeiten machen dieses Boot zu einem “First Class Boot” zum Segeln für Alt und Jung und nicht zuletzt für die Familie.

Quellen:

  • The BB17 One design Racer – Cruiser (Verkaufsprospekt der Borge Bringsvaerd Werft)
  • Verkaufsprospekt 1964 der Generalvertretung “Nautic – Börcherts” Friedrichshafen

Das schrieb die Yacht 1964 über die BB17

Die Werft von Borge Bringsvaerd wurde von seinem Sohn Borge Bringsvaerd Junior (Bro) übernommen, welcher mit seiner eigenen Konstruktion (BB15) versuchte an den Erfolgen seines Vaters anzuknüpfen. Die Werft wurde schießlich geschlossen und musste mittlerweile einem modernen Industriebau weichen….

alte Werft in Dobrak

Ölzeichnnung des alten Werftgeländes ca. 1950 aus dem Familenarchiv Borge Bringsvaerds

Brief mit Erinnerungen von Borge Bringsværd Junior:

Die BB 11, BB 17 und BB 35 wurden von meinem Vater, Borge Bringsværd in Drøbak, Norwegen, entworfen und gebaut. Mein Vater war ein sehr erfahrener Bootsbauer, als er, im Alter von 53, die Serienfertigung von Mahagoni-Segelbooten aufnahm. Vor dieser Zeit hat er eine große Reihe von Arbeits- und größtenteils Vergnügungsbooten gebaut.

Während eines Zeitraumes von 20 Jahren, von 1956, produzierte er 1.200 BB11s, 350 BB17s und 3 BB35s. Später baute er 2.000 Yngling-Segelboote (Fiberglas-Rümpfe). Vor allem die BB11 wurde ein großer Erfolg. 850 Boote wurde in die ganze Segel-Welt exportiert: Nord-Amerika, Asien, Afrika und Europa.

Prototyp der BB17 an der Pinne Borge Bringsvaerd

Mein Vater wurde 1904 geboren und führte seine Werft in Husvikholmen, Drøbak (Norwegen) für mehr als 50 Jahre. Als er 1982 starb, war er bekannt und respektiert als Bootsbauer und –designer.

Die BB-Werft wurde 1984 geschlossen.

Viele Jahre nach der BB-Produktion folgten neue Designs und neue Materialien in der Bootsbau-Industrie, aber seit 1990 habe ich eine Renaissance für die BB17 und besonders für die BB11 festgestellt. Neue Besitzer überall auf der Welt sind eifrig am Restaurieren dieser kleinen, klassischen Yachten, und in Norwegen wurde das Boot wieder neu als nationale Regattaklasse eingeführt. Ich habe sie versorgt mit

Zeichnungen und weiteren Informationen, in Gedenken an eine großartige Person – meinen Vater.

Ich selbst bin ein ausgebildeter Architekt und Designer. Geboren auf einer Bootswerft, bin ich stark verbunden mit dem Meer und Segelbooten. Mein letztes Design, in den Fußstapfen meines Vaters, ist die BB15.

Herzliche Grüße Borge Bringsværd jr.

Brief von BB junior

Private Aufnahme von Borge Bringsvaerd mit seiner Frau (ca. 1930)


Prospekt BB15 /1

Prospekt BB15 /1

Prospekt BB15 /2

Prospekt BB15 /2